Themenjahr 2016

Fröbel, Gott und die Welt

Friedrich Fröbel, geboren als Sohn eines Pfarrers, wurde im evangelischen Glauben erzogen. Gottes Wirken zeigt sich für ihn in der Natur und im Wesen des Menschlichen verwirklicht. Aus seinem Verständnis christlicher Verantwortung heraus nahm er an den gesellschaftlichen Problemen seiner Zeit Anteil.

Als „Lebenseinigung“ beschreibt Fröbel die Entwicklung des Menschen – den Weg des Ringens um Harmonie mit der Natur, den Menschen und mit Gott. Das Göttliche sei in jedem Menschen zu finden. Und damit Aufgabe jedes Einzelnen das in ihnen wirkende Göttliche bewusst aus sich heraus zu gestalten und darzustellen. Bildung und Erziehung, so Fröbel, helfen ihnen darin.

Eine besondere Beziehung entwickelte Friedrich Fröbel zu Martin Luther, den er als seinen großen „Glaubenshelden“ bezeichnete. Da Fröbel nichts von Denkmälern aus Stein und Eisen hielt, setzte er Luther zum 300. Reformationsjubiläum ein „lebendiges Denkmal“ – er holte zwei Nachfahren eines Bruders Martin Luthers an seine Anstalt in Keilhau, um sie zu unterrichten. Georg Luther studierte später tatsächlich Theologie, Ernst Luther blieb als Bauhandwerker seinem Lehrer und Freund Friedrich Fröbel lebenslang treu und fertigte nach einem Entwurf von Wilhelm Middendorff Fröbels ersten Grabstein - die aufeinander gestellten Teile der 2. Spielgabe (Kugel, Walze, Würfel).

Das Themenjahr 2016 widmet sich Fröbel als gläubigem Mensch, Philanthrop und vielleicht Vorbild für ein friedliches Miteinander. Seine Idee der „Lebenseinigung“ ist ebenso Thema wie Frieden und Gewalt sowie das Göttliche in uns und in der Welt.

Projekte und Aktivitäten des Themenjahres 2016

Fröbel-Salon und Luther-Stammtisch
Das Jahresthema „Fröbel, Gott und die Welt“ wurde in zwei Diskussionsrunden aufgegriffen und ausführlich debattiert. Der Luther-Stammtisch im Evangelischen Allianzhaus Bad Blankenburg begann im Frühjahr 2016 mit dem Impuls „Friedrich Fröbel – ein Lutheraner erfindet den Kindergarten“ von Dr. Matthias Brodbeck (Pädagoge und Fröbel-Experte). Luther war für Fröbel ein Glaubensheld, dem er zum 300. Reformationsjubiläum beispielsweise ein lebendiges Denkmal "errichtete". Fröbel wurde seinerzeit häufig falsch verstanden und als Atheist und Demagoge "beschimpft". In der Folge verbot das preußische Kultusministerium  den Kindergarten von 1851-1860, aufgrund von "destruktiver Tendenzen auf dem Gebiet der Religion und Politik". Die Diskussion im Anschluss des Impulsvortrages reichte von frühkindlicher Pädagogik, der vergessenen Bedeutung Fröbels bis zu weiteren Verbindungen zwischen Fröbel und Luther.

Zum Fröbel-Salon lud der Fröbel-Kreis unter dem Titel „Fröbels Spielpädagogik zwischen Welt und Religion“ in das Café Leuchtblick im Evangelischen Allianzhaus Bad Blankenburg. Eineaußerordentlich interessierte Gruppe fand sich für den Impulsvortrag von Dr. phil. Ulf Sauerbreyzusammen, die noch lange über den geplanten Zeitrahmen zum Thema reflektierte und diskutierte. Ein kurzer Auszug aus dem Vortrag: Für Fröbel wird Gott im Sinnlichen und in der Natur anschaulich. Das Göttliche ist dabei Quelle des Seins und des Lebens. Fröbel schreibt auf der ersten Seite der Menscherziehung „In allem ruht, wirkt und herrscht ewiges Gesetz.“. Er baute seine gesamte Pädagogik auf diesem einen Satz auf.  Fröbel geht davon aus, dass im Menschen und damit auch bereits im Kind das ewige Gesetz, also das Göttliche, bereits vorhanden ist. Und zwar von Geburt an, also bevor überhaupt Erziehung stattfindet. Bliebe Fröbel jedoch allein bei dem Gedanken stehen, dass alles in der Natur von Gott beseelt wäre, so bliebe seine Lehre nur im Pantheismus. Eine Erziehung wäre dann strenggenommen sogar überflüssig. Wenn also das Göttliche schon ausgebildet im Menschen vorherrschen würde, dann wäre die Entwicklung schon vorgegeben bzw. schon vollendet. Pädagogik dient aus Fröbels Perspektive dazu dieses Göttliche zum Ideal überhaupt erst zu entwickeln. Es ist angelegt, es ist aber noch nicht entwickelt. Manche Teilnehmerin und mancher Teilnehmer sowie auch Dr. Sauerbrey nahmen interessante Anregungen aus der Diskussion für die weitere Beschäftigung mit Fröbel mit - ein Erfolg des Fröbel-Salons.

Tagung zur Didaktik des Faltens und Falten mit Flüchtlingskindern in Bad Blankenburg
Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich im April 2016 in Oberweißbach ein, um mehr über den pädagogischen Wert des Faltens zu erfahren. Joan Sallas und sein foldingdidactics-Team, Fröbelstadtmarketing Oberweißbach sowie Unterstützerinnen und Unterstützer der Schule sowie des Fröbelvereins waren gut vorbereitet und boten den Gästen ein Wochenende voller Entdeckungen und guter Gespräche. In den kommenden Jahren ist geplant, die Frühlingstagung in weiteren Orten der Fröbel-Faltstraße (Keilhau, Bad Blankenburg, Oberweißbach, Bad Liebenstein, Weimar) zu organisieren. Informationen zur Tagung in 2017 erhalten Sie hier.

Und auch in der Gemeinschaftsunterkunft Bad Blankenburg wurde an zwei Nachmittagen nach Fröbel gefaltet. Hauptpublikum hier waren allerdings die Kinder, die mit großer Freude die unterschiedlichen Materialien entdeckten und unter Anleitung falteten, flochten und prickelten. Auch die Origamikünstlerin Petra Betscher, die zur Falttagung in Oberweißbach aus Niedersachsen angereist war, führte ihr Origami-Mitmachtheater weniger Wochen später vor den Kindern auf.

Fröbels Geburtstag – jährlicher Anlass für Veranstaltungen und Projekte
Am 21. April 1782 wurde Friedrich Fröbel in Oberweißbach geboren und sein Geburtstag gilt in der Region Rennsteig-Schwarzatal sowie Schweina/Bad Liebenstein noch heute als Anlass für Aktivitäten rund um seine Person und Pädagogik.

So feierte der AWO-Kindergarten „Fröbelhaus“ in Bad Blankenburg mit seinen Kindern, Eltern und Gästen. Die Freie Fröbelschule Keilhau ehrte Schülerinnen und Schüler mit besonderen Leistungen für die Gemeinschaft. Und in Bad Liebenstein und Schweina widmete man Fröbel einen ganzen Tag. Gäste waren eingeladen der Fröbel-Ehrung an seinem Grab in Schweina beizuwohnen, im Stadtpark mit Kinderprogramm zu spielen und dem Kinder- und Familiengottesdienst zu lauschen. In Oberweißbach wurde gleich eine ganze Fröbel-Projektwoche ausgerufen, die sich der Vermittlung von Fröbels pädagogischem Konzept in Schule und Kindergarten widmete. Unter anderem eröffnete das Memorialmuseum „Friedrich Fröbel“ gemeinsam mit Joan Sallas die neu gestalteten Museumsvitrinen und der Fröbelverein konnte das restaurierte Elterngrab Fröbels präsentieren.

Das kommende Themenjahr – Erste Veranstaltungen zu „Fröbel, der Schulmann“
Das Themenjahr 2017 ist anlässlich des Jubiläums „200 Jahre Friedrich Fröbel in Keilhau“ Fröbel, dem Schulmann gewidmet. Zur Einstimmung in das Thema tagte der Fröbel-Kreis bereits am 14.11.2016 in festlicher Manier in Griesheim/Thüringen. Denn am 13.11.1816, 200 Jahre zuvor, gründete Friedrich Fröbel in Griesheim die "Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt", die er ein Jahr später nach Keilhau verlegte (mehr dazu im Veranstaltungsarchiv). Zudem lud das Friedrich-Fröbel-Museum in Bad Blankenburg am 18.11.2016 zu Vortrag und Lesung von Horst Fleischer:  NEUES AUS DER ANSTALT FRIEDRICH FRÖBELS aus Anlass ihres 200jährigen Bestehens: Friedrich Unger zeichnet Keilhauer Schüler. Georg Ebers schreibt über Rudolstadt und Keilhau.

Fröbel-Tourismus in der Region Rennsteig-Schwarzatal
Das Interesse an Friedrich Fröbels Wirkungsstätten und insbesondere an praktischen Beispielen für Fröbels Pädagogik im Heute ist enorm. Allein Keilhau zählt jährlich zwischen 500 und 800 nationale und internationale Gäste. Beispielgebend dafür sind die Besuche im Mai aus Großbritannien und Finnland sowie einer chinesischen Delegation oder der Goethe Gesellschaft aus Rudolstadt im Juni. Und das, obwohl die Freie Fröbelschule Keilhau kein offizieller Besucherort ist. Möglich macht es die gute Zusammenarbeit zwischen dem Schulträger Jugendsozialwerk Nordhausen und dem Neuen Thüringer Fröbelverein Keilhau, der über der alten Sporthalle sein Büro hat. Und nicht nur Keilhau ist Anlaufstelle für Touristen aus aller Welt, auch in Bad Blankenburg, Bad Liebenstein und Oberweißbach hört man regelmäßig gesprochenes Japanisch, Englisch sowie andere Sprachen in der direkten Nähe von Fröbels Heimat- und Wirkungsstätten.

In der Region Rennsteig-Schwarzatal ist man sich über das Alleinstellungsmerkmal „Friedrich Fröbel“ bewusst und widmet sich dem Thema im Fröbel-Kreis, einem Ausschuss der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Rennsteig-Schwarzatal. Mit diesem Hintergrund entstand auch die Fröbel-Dekade 2013-2022.

Zur Tourismuskonferenz der Region in April 2016 präsentierte der Fröbel-Kreis die Ziele, bisherigen Ergebnisse innerhalb der Dekade und Anknüpfungspunkte für touristische Leistungsanbieter. "Mit der Fröbel-Dekade wird zum einen Fröbels Philosophie, die heute wieder hochaktuell ist, in und außerhalb der Region mehr Präsenz verliehen, mit inhaltlichen Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Festwochenende 2015 zur Kindergartengründung in Bad Blankenburg. Und zum anderen holt die Dekade Fröbels Erbe in die praktische Gegenwart, wie es beispielweise mit dem Fröbel-Wald gelungen ist. Hierbei steht die Region allerdings noch am Anfang. Es gibt viel Potential, das es auszuschöpfen gilt - im Kontext von konkreten Projekten und touristischen Angeboten. Ziel wäre es gemeinsam mit weiteren touristischen Unternehmen Fröbel-gerechte und Fröbel-inspirierte Angebote zu entwickeln, um die Region Rennsteig-Schwarzatal in einen Garten für Kinder zu verwandeln, in eine ‚Kinder-Region‘ oder das ‚Fröbel-Land‘." (Helena Reingen, Projektmanagerin Fröbel-Dekade)

Kurze Zusammenfassungen aller  Veranstaltungen, Projekte und Aktionen finden Sie unter Aktuelles, unsere Highlights sind zudem im Veranstaltungsarchiv zu finden.

Sonderausstellung

"Gesichter Keilhaus - zwischen Nationalerziehung in ländlicher Idylle und erster industrieller Revolution"
19.05. - 23.12.2017
Friedrich-Fröbel-Museum Bad Blankenburg

Fröbel-Stätten

Fröbel-Blick
Aussichtspunkt Fröbelblick: Fröbel prägte den Begriff „Kindergarten“ im Anblick der herrlichen Landschaft des Schwarzatals.
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